TRESKOWALLEE

In der Treskowallee 109/111 Ecke Stolzenfelsstraße verfügt die Stiftung Stadtkultur über einen besonderen Gebäudekomplex. Neben Geschäftsräumen, die die Stiftung an das HOWOGE Kundenzentrum Karlshorst, die Schostakowitsch-Musikschule Berlin-Lichtenberg und weitere Gewerbetreibende vermietet, steht hier ein Theater, das keines mehr ist. Im Jahr 2018 wurde der Gebäudekomplex von der HOWOGE an die Stiftung Stadtkultur übertragen. Seitdem erfährt das ehemalige Theater eine prozesshafte Umdeutung und Reaktivierung. Voraussichtlich bis 2025 soll es umgebaut, einer neuen Nutzung zugeführt und für die Menschen im Quartier sowie für alle Berliner*innen geöffnet werden. In 2021 ist ein Interimsprogramm geplant.

ZUR GESCHICHTE:

Vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich an der Ecke Stolzenfelsstraße/Treskowalle das Restaurant „Zum Kronprinz“ (später „Deutsches Haus“). Im Spiegel-Parkett-Saal fanden Varietéveranstaltungen, Modenschauen und Kabarettabende statt. 1948 wurde auf dem benachbarten Gelände das Theater Karlshorst erbaut - auf Befehl der russischen Militäradministration und als Reparationsleistung Deutschlands an die Sowjetunion. Als „Haus der Offiziere“ war das Theater zunächst nur sowjetischen Militärangehörigen und Zivilangestellten sowie ihren Familien zugänglich. Alle anderen durften die bereits 1945 errichtete Sperrzone, in der sich das Theater befand, nur mit Passierschein betreten. Erst nach der Aufhebung des Sperrgebietes 1963 hatte die deutsche Bevölkerung Zutritt zur sogenannten “Russenoper“. In den Folgejahren fanden dort Konzerte, Theater- und Kinovorführungen, aber auch Jugendweihen und Veranstaltungen zur Pflege der deutsch-sowjetischen Freundschaft statt. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wurde das Haus bis 2007 als privates Theater geführt. Auf dem Programm standen Veranstaltungsreihen wie die Stunde des Tanzes, Montagskino für Kinder und Sonntagskonzerte für die ganze Familie. Seit 2008 stehen Bühnenturm, Zuschauersaal und Foyer leer, der Rest des Gebäudes wurde von der damaligen Eigentümerin HOWOGE saniert und langfristig vermietet. In 2018/19 fanden zur Sondierung zukünftiger Nutzungsszenarien Werkstattgespräche mit Akteur*innen aus Architektur, Kultur und Politik statt. Ab 2021 wird das ehemalige Theater in mehreren Schritten umgebaut, um voraussichtlich ab 2025 als multifunktionaler Ort zu öffnen.

THEATER KARLSHORST