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Rückblick auf das KAHO Interim 2021 – Von Identität, Baustellencharme und Punktlandungen

30.11.2021

Nach 62 Kulturveranstaltungen unter freiem Himmel auf dem Vorplatz des ehemaligen Theaters und seit Herbstbeginn im Bühnenturm des denkmalgeschützten Gebäudes verabschiedet sich das KAHO. Raum für Kultur der Stiftung Stadtkultur in die Winterpause.  Ziel war es, die Kulturimmobilie vor Beginn des voraussichtlich bis 2025  andauernden Umbaus zu reaktivieren, unterschiedliche Veranstaltungsformate zu testen und eine Bürger:innenbeteiligung mit künstlerischen Mitteln zu ermöglichen. „Das haben wir geschafft!“ resümiert Pirkko Husemann, Vorstand der Stiftung Stadtkultur. „Die Resonanz auf den geplanten Umbau und die kulturelle Zwischennutzung war sehr positiv – das Haus wurde zum Leben erweckt und wieder beziehungsweise neu entdeckt. Auch der Name KAHO ist vielen jetzt ein Begriff.“

KAHO Interim 2021 in Zahlen
Das Timing des Interimsprogramms war eine regelrechte Punktlandung: Zwischen Lockerung und erneuter Verschärfung der pandemiebedingten Einschränkungen konnte ein viermonatiger Spielbetrieb realisiert werden. Tanzstunden, Filmvorführungen, Performances, Lesungen, Workshops und Konzerte lockten rund 1.600 Menschen ins KAHO. Den größten Anklang fanden die Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, die restlos ausverkauft waren. Wer all das verpasst hat, findet die Videoaufzeichnungen ausgewählter Veranstaltungen weiterhin auf dem Youtube-Kanal des KAHO.

Viele der insgesamt 32 beteiligten und zumeist in Berlin lebenden Gruppen und Einzelkünstler:innen mussten Karlshorst auf dem Stadtplan erst einmal suchen und sich bei Passant:innen zum Eingang des KAHO durchfragen. Umso größer war dann die Überraschung, als sie nach kurzer Fahrt mit der S-Bahn vor dem KAHO standen und feststellten, wie groß das Haus ist, das nach dem Umbau langfristig als Raum für Kultur zur Verfügung stehen soll.

Gebäude und Standort bildeten auch den thematischen Ausgangspunkt für das Interimsprogramm. Das seit 2008 ungenutzte ehemalige Theater, 1948/49 erbaut als Haus der Offiziere, ist aufs Engste mit dem ehemaligen militärischen Sperrgebiet der sowjetischen Alliierten in Karlshorst verwoben. Vor diesem Hintergrund entstanden fünf von insgesamt sieben Premieren mit Zeitzeug:innen. 13 Veranstaltungen wurden von russischsprachigen Berliner:innen bestritten. Entsprechend bunt war auch die Zusammensetzung des Publikums, das aus Karlshorst und Lichtenberg sowie aus ganz Berlin und dem brandenburgischen Umland kam.

Spielstätte mit Herausforderungen
Für das kleine Team der Stiftung Stadtkultur waren die letzten vier Monate ein Kraftakt. „Eine Baustelle ist keine Spielstätte“, erklärt Husemann mit einem Schmunzeln. „Das bringt ganz eigene Herausforderungen mit sich. Dazu gehörten ein vierstündiger Stromausfall während einer Generalprobe, weil die Elektroarbeiten noch nicht abgeschlossen waren und ein Team, das permanent vor verschlossenen Türen stand, weil das Schließsystem bei laufendem Betrieb angepasst wurde.“

Der Umbau des KAHO wird in Zukunft absolute Priorität haben, damit der reguläre Betrieb hoffentlich in 2025 aufgenommen werden kann. Bis dahin sind vor allem Kooperationen in Karlshorst, Lichtenberg und dem näheren Einzugsgebiet geplant. 2023 und 2024 schwärmt das KAHO aus, und bringt die kulturellen Angebote zu den Menschen, nicht umgekehrt.